01.01.00 Freier Wille, Meinung, Bücher, Historie

Alfred Wittes erster Artikel erschien 1913, "Betrachtungen über Farbe, Zahl und Ton. Astrologische Studie." Bis 1925 folgten 45 weitere Artikel, in denen er Grundlegendes an astrologischer Methodik vorstellte, die Friedrich Sieggrün und Hermann Lefeldt mit ihren Beiträgen abgeschlossen haben. Mit diesem 'Rüstzeug' ausgestattet verfassen wir unsere Beiträge.

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Karsten
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01.01.00 Freier Wille, Meinung, Bücher, Historie

Beitragvon Karsten » Mittwoch 10. Oktober 2018, 10:20

Freier Wille, Meinung, Bücher, Historie

Das Horoskop beschreibt den Schöpfungsplan des Lebens, das als eine Inkarnation in einem langen karmischen Kreislauf von Wiedergeburten verstanden wird.

Auf dem Weg zur Vervollkommnung betrachten wir die Astrologie, System Hamburger Schule, als eine willkommene Orientierungshilfe, weil sie uns gestattet, unsere Anlagen und Aufgaben kennen zu lernen.

Vier Zitate aus Hermann Lefeldt, „Methodik I", 1962:

    "... Das Hineingestelltsein des Menschen in einen bestimmten Raum zu einer bestimmten Zeit ist sein Schicksal."

    "... Wir sind metaphysisch restlos unfrei, psychologisch sind wir frei, das heißt, wir handeln in dem Glauben, als wenn die Gedanken und Handlungen aus uns selber kämen ...."

    "... Der Schicksalsgläubige weiß, daß das Schicksal in ihm liegt, in seiner eigenen Seele, und darum lebt er in seinem Schicksal wie in seinem eigenen Hause. Es kann ihm nichts passieren, was nicht zu ihm gehört..."

    "... Es bleibt dabei: Astrologen, die vom freien Willen reden, betreiben absichtlich Selbstverdummung ..."


Es gibt eine kleine Annekdote, die den Freien Willen so beschreibt.

    Begegnung in Samara

    Ein Kaufmann aus Bagdad schickte seinen Diener zum Einkaufen auf dem Markt. Doch auf dem Markt begegnete dem Diener der Tod. Als der Diener den Tod sah, bekam er Angst, verfiel in panischen Schrecken und rannte nach Hause zu seinem Herrn.

    Er berichtete, was geschehen war, und bat seinen Herrn, ihm ein Pferd zu leihen, damit er nach Samara reiten könnte, um seinem Schicksal zu entgehen.

    Er bekam das Pferd. Sein Herr ging dann zum Markt hinunter, wo auch ihm der Tod begegnete.

    Da fragte er den Tod:
    „Warum hast du meinen Diener so erschreckt?"

    Darauf antwortete der Tod:
    „Das war nicht meine Absicht, ich war nur so erstaunt, als ich ihn sah. Ich hatte nicht erwartet, ihn hier zu sehen, da ich mich für heute Abend in Samara mit ihm verabredet habe."

    aus Per Olov Enquist und Anders Ehnmark: Der Mann im Pool. Marion von Schröder Verlag, Düsseldorf 1985, Seite 126


Andere Meinungen

    Mehrere Hirnforscher in 20. und 21. Jahrhundert haben den Freien Willen ebenfalls als eine Illusion festgestellt.
    Bücher siehe Internet.


Vor über 2000 Jahren haben schom andere ihre Meinung über den Freien Willen geäussert. Hier ein paar Beispiele:

    Cicero:
    „Es gibt am Himmel nicht Zufall noch Ungefähr noch Irrweg noch Eitelkeit, im Gegenteil durchaus nur Ordnung, Wahrheit, Vernunft und Dauer."
    Carl Bezold, Franz Boll: „Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie." Verlag und Druck von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1918, S. 23

    „Es ist also am Himmel weder Glück noch Zufall, noch Irre, noch Trug; im Gegenteil lauter Ordnung, Wahrheit, Regel, Beständigkeit."
    In: „Sammlung der neuesten Uebersetzungen der römischen Prosaiker mit erläuternden Anmerkungen."
    Siebzehnter Theil. M. Tullius Cicero von der Natur der Götter. Aus dem Lateinischenübersetzt von Johann Friedrich von Meyer. Verlag Johann Christian Hermann, Frankfurt/M. 1806 (Zweites Buch S. 97-228), S. 137

    „Es findet also am Himmel weder ein Zufall, noch ein blindes Ungefähr, noch ein Irren, noch ein Schwanken (ein Unzuverlässigkeit) statt; im Gegenteil, nichts als Ordnung, Gewissheit, Planmässigkeit und Folgerichtigkeit."
    Marcus Tullius Cicero: „Über das Wesen der Gottheit an Marcus Brutus."
    13. Bändchen. Übersetzt von Georg Heinrich Moser. 1530 bis 1726 Seiten, Verlag der J. B. Metzler‘schen Buchhandlung, Stuttgart 1833, S. 1573

    An Brutus (Ad Quintum fratrem, Ad Brutum), lat.-dt. Hsrgg. und übers. von Helmut Kasten. München/Zürich: Artemis und Winkler 1965.


    http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/sph ... cf02b721fe

    Eine astrologische Bedeutung der Geburtsstunde liegt in den Worten, mit denen Hektor seine Gattin tröstet:

      „Gegen das Schicksal hinab in den Hades sendet mich niemand.
      Aber verhängtem Geschick entrinnt der Sterblichen keiner. Bei der
      Geburt schon verfällt ihm der Tapfere so gut wie der Feige."

    Zitiert auch in: Carl Bezold, Franz Boll: „Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie." Verlag und Druck von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1918, S. 22


    Die philosophische Schule des Pythagoras ...
    ... bereitete der Astrologie in Griechenland den Weg, und Cicero vertritt den pythagoreischen Glauben in dem Satz: „Es gibt am Himmel nicht Zufall, noch Ungefähr, noch Irrweg, noch Eitelkeit, im Gegenteil nur Ordnung, Wahrheit, Vernunft und Dauer."


    Plato und sein grosser Schüler Aristoteles, ...
    ... sonst durchaus nicht in allem einig, vertreten beide mit ungewöhnlicher Wärme die astrologische Idee, wenn auch der verschiedene Entwicklungsgang dieser beiden Männer eine verschiedene Auffassung und Deutuug ihrer Worte zulässt.

    Ägypten
    Wie in Griechenland, so ist auch in dem alten ägyptischen Reiche die Astrologie nachweisbar. Die Wände der Tempel von Dendera, Edfu, Athribis mit ihren astrologischen Darstellungen sind unumstössliche Zeugen. Selbstverständlich finden wir auch hier nicht sofort ein fertiges Ganzes, sondern linden eine aufstrebende Entwicklung.

    Die alten Bücher des Thot, des ägyptischen Hermes enthalten astrologische Wahrheiten, und die neuägyptische Astrologie liegt in einem zweibändigen Werk, das die Namen eines Pharao Nechepso aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. und eines Priesters Petosiris trägt. In diasem Werk wird auf alle Details der astrologischen Wissenschaft eingegangen, und wird sich die Wissenschaft sicher später einmal dieser Werke ernstlich annehmen.


    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Arist ... 4.+Capitel
    Aristoteles
    Physik, 2. Buch, 3. Capitel, 4. Capitel
    Zweites Buch, Achtes Kapitel


    Anzugeben ist also zuvorderst, wiefern die Natur zu den Endursachen gehört; sodann zu sprechen über das Notwendige, wie es sich bei dem Natürlichen verhält. Auf diese Ursache nämlich gehen Alle zurück, daß, da das Warme von Natur ein solches ist, und das Kalte, und jedes andere dergleichen, dies aus Notwendigkeit ist, geschieht oder wird.

    Denn wenn sie auch eine andere Ursache angeben, so berühren sie diese gleichsam nur, und verabschieden sie sogleich wieder: der eine die Freundschaft und die Feindschaft, der andere den Gedanken. Es fragt sich aber, was hindert, daß die Natur nicht eines Zweckes wegen tätig sei, oder weil es besser ist; sondern wie wenn der Himmel regnet, nicht damit das Getreide wächst, sondern aus Notwendigkeit.

    Das Aufgestiegene nämlich muß gefrieren und das Gefrorne zu Wasser geworden herabfallen; daß aber, wenn dies geschieht, das Getreide wächst, trifft sich so nebenbei. Gleicherweise auch, wenn jemandem verdirbt das Getreide in der Tenne, so regnet es nicht deshalb, damit es verderbe, sondern dies traf sich nebenbei.

    Daher die Frage: Was hindert, daß nicht eben so die Teile sich verhalten in der Natur? Daß z.B. die Zähne aus Notwendigkeit wachsen, die vorderen scharf, geeignet auseinander zu teilen, die Backenzähne breit, und tüchtig zu zerkauen die Speise; nicht deswegen nämlich seien sie entstanden, sondern dies habe sich so zugetragen. Gleicherweise auch bei den andern Teilen, in welchen scheint statt zu finden das Weswegen.

    Wo nun alles sich traf, wie wenn es zu einem Zwecke entstanden wäre, da ward gerettet, was von ungefähr sich so passend zusammengefunden hatte; was sich aber nicht so traf, das ging unter, und geht unter, wie Empedokles sagt von dem Kuhgeschlecht mit Menschenantlitz. -

    Dieses nun ist es, was man einwenden könnte, und vielleicht noch anderes dergleichen. Es kann sich aber dies nicht auf diese Weise verhalten. Denn dies und alles, was von Natur ist, geschieht eben entweder so, oder zum meisten; von dem aber, was aus Zufall und von ungefähr ist, nichts. Denn nicht dem Zufall oder irgend einem besonderen Ereignis schreibt man den häufigen Regen im Winter zu, sondern eher in den Hundstagen; noch die Hitze in den Hundstagen, sondern in dem Winter.

    Wenn nun entweder ein zufälliges Ereignis oder ein Zweck die Ursache sein soll, dies aber nicht, weder aus Zufall noch von ungefähr sein kann, so muß es wohl einen Zweck haben. Aber von Natur ist doch alles dergleichen, wie wohl selbst diejenigen zugeben möchten, die jenes behaupten. Folglich gibt es ein Weswegen in dem, was von Natur geschieht und ist.

    Ferner worin ein Endziel ist, da wird in Bezug auf dieses gehandelt, sowohl im Beginn als im Fortgang. Sollte nun nicht, was von seiner Tätigkeit, auch von seiner Natur gelten, und ist nicht die Natur, wenn kein Hindernis eintritt, das Gesetz der Tätigkeit eines Jeden?

    Die Tätigkeit aber hat einen Zweck, folglich hat auch die Natur diesen Zweck. Z.B. wenn ein Haus zu dem von Natur Entstehenden gehörte, würde es eben so werden, wie jetzt durch die Kunst. Und könnte umgekehrt das Natürliche nicht nur durch Natur, sondern auch durch Kunst entstehen, so würde es eben so werden, wie es von Natur ist.

    Wegen des Einen also kann das Andere sein. Und überhaupt vollendet die Kunst teils was die Natur nicht zu vollbringen vermag, teils ahmt sie sie nach. Hat nun das der Kunst Angehörige einen Zweck, so hat einen solchen auch das der Natur Angehörige. Denn auf gleiche Weise verhält sich gegenseitig in dem der Kunst und in dem der Natur Angehörigen, das Spätere zu dem Früheren.

    Am deutlichsten sieht man dies an den vernunftlosen Tieren, die weder mit Kunst, noch mit Absicht, noch Überlegung handeln. Darum zweifeln Einige, ob mit Denkkraft, oder womit sonst ihr Werk verrichten die Spinnen, die Ameisen und ähnliche Tiere. Man gehe nur ein wenig weiter, und man wird auch bei den Pflanzen solchergestalt Zweckmäßiges geschehen finden zu einem Endziel, wie die Blätter zu der Frucht Bedeckung.

    Wenn also von Natur zugleich und eines Zweckes wegen die Schwalbe ihr Nest macht, und die Spinne ihr Gewebe, und die Pflanze ihre Blätter wegen der Früchte, und die Wurzeln nicht nach oben, sondern nach unten, zum Behuf der Nahrung: so erhellt, daß es eine solche Ursache gibt in dem, was von Natur geschieht und ist.

    Und da die Natur zwiefach ist, einmal als Stoff, das anderemal als Form; Endziel aber diese, und des Endziels halber das Übrige: so möchte diese wohl die Ursache des Weswegen sein. Fehler aber fallen vor auch in dem, was nach Kunst geschieht. Denn unrichtig schreiben kann der Sprachlehrer, und unrichtig mischen der Arzt das Heilmittel.

    Warum also sollten sie nicht auch in der Natur vorfallen können? Ist also Einiges durch Kunst, in welchem der Zweck vollständig wirkt, Anderes aber ein Mißlungenes, worin der Zweck angestrebt, aber verfehlt wird: so verhält es sich gleichergestalt auch in dem Natürlichen. Und die Missgeburten sind Fehler, begangen in jenem Anstreben, eines Zweckes.

    Auch in den ursprünglichen Zusammensetzungen würden daher jene halbtierischen Ungestalten, wenn sie nicht zu einer Bestimmung und Ziel kommen konnten, aus der Verderbnis eines Anfangs entstanden sein, wie jetzt des Samens. Übrigens muß der Same zuerst gewesen sein, und nicht sogleich die Tiere; und jene weiche Masse war sonst Same.

    Auch in den Pflanzen ist die Zweckbeziehung enthalten, doch weniger ausgebildet. Es fragt sich daher, ob auch in den Pflanzen, wie Kuhgeschlecht mit Menschenantlitz, so Traubenstamm mit Olivenzweig entstand, oder nicht. Dies klingt wunderlich. Und doch hätte es geschehen müssen, da es auch bei den Tieren geschah.

    Es hätte ja auch schon in den Samen der Zufall stattfinden müssen. Überhaupt aber leugnet, wer so spricht, alles Sein von Natur und die Natur. Denn von Natur ist, was von einem in ihm selbst entaltenen Anfange stetig bewegt zu einem Endziele gelangt; und zwar nicht von jedem zu dem nämlichen, oder zu einem zufälligen; doch von jedem einzelnen stets zu dem nämlichen, wenn nichts hindert.

    Der Zweck und was des Zweckes wegen geschieht, kann wohl auch durch Zufall geschehen, wie man sagt, zufällig kam der Fremde und ging, nachdem er sich gebadet hatte, wenn er nämlich gleich als sei er deswegen gekommen, handelte; nicht aber deswegen kam. Es war hierdurch etwas Beiläufiges ausgedrückt; der Zufall nämlich gehört zu den beiläufigen Ursachen, wie wir auch vorhin sagten. Da fern aber dies immer oder meistenteils geschieht, so geschieht es nicht nebenbei, noch aus Zufall.

    In der Natur aber geschieht es immer so, wenn nichts hindert. Sonderbarer aber ist es, nicht glauben zu wollen, daß etwas eines Zweckes wegen geschehe, wenn man nicht das Bewegende überlegen sieht. Auch die Kunst überlegt ja nicht. Denn wäre in dem Holze die Schiffbaukunst enthalten, so würde sie gleichergestalt mit der Natur verfahren.

    Wenn also in der Kunst der Zweck erhalten ist, so ist er auch in der Natur enthalten. Am deutlichsten sieht man dies, wenn jemand sich selber heilt. Diesem nämlich gleicht die Natur. - Daß nun also Ursache die Natur und zwar in Gestalt des Zweckes, ist ersichtlich.


    Viertes Capitel
    [36] Es wird auch der Zufall und das Ungefähr unter der Ursachen genannt und gesagt, daß vieles theils ist theils wird durch Zufall und von ungefähr. Auf welche Weise nun zu den Ursachen, von denen wir sprachen, der Zufall gehört und das Ungefähr, und ob das nämliche der Zufall ist und das Ungefähr, oder ein verschiedenes, und überhaupt was da ist der Zufall und das Ungefähr, ist zu untersuchen.

    Denn Einige zweifeln sogar, ob jene sind oder nicht. Nichts nämlich geschehe aus Zufall, sagen sie; sondern alles habe eine bestimmte Ursache, von dem wir sagen, es geschehe von ungefähr oder aus Zufall: so wenn jemand aus Zufall auf den Markt komme, und treffe den er wollte aber nicht zu treffen meinte, sei Ursache davon sein Wille zu kommen und Marktgeschäfte zu treiben.

    Auf gleiche Weise finde auch bei dem Uebrigen, was zufällig heißt, stets eine Ursache statt, die anzugeben sei, aber nicht Zufall. Da zumal wenn der Zufall[37] etwas wäre, es auffallend in der That erscheinen müßte, und Bedenklichkeit erregen, warum doch keiner der alten Weisen, wenn er von den Ursachen beim Werden und Vergehen sprach, über den Zufall etwas festsetzte.

    Aber, so scheint es, nichts, glaubten auch jene, sei aus Zufall. Indeß auch dieses erregt Verwunderung. Denn vieles wird und ist aus Zufall und von ungefähr von dem wir, wohl wissend, daß jedes Ding sich zurückführen läßt auf eine Ursache des Werdens, wie der alte Spruch sagt, der den Zufall läugnet, dennoch alle sagen, es sei aus Zufall, während wir bei anderem sagen, es sei nicht aus Zufall.

    Darum hätten sie es auf jede Weise erwähnen sollen. – Aber auch nicht von jenem hielten sie eines für den Zufall, wie Freundschaft, Feindschaft, Feuer, Gedanke, oder sonst etwas dergleichen. Auffallend nun bleibt es, mögen sie nicht daran geglaubt, oder, obgleich daran glaubend, ihn übergangen haben, indem sie sogar bisweilen davon Gebrauch machen, wie Empedokles, wenn er sagt, nicht jederzeit gehe die Luft ihren eigenthümlichen Weg nach oben, sondern wie es falle. Er sagt nämlich in der Weltbildung:

    So nun ging sie, so traf es sich damals, oft aber anders.

    Auch von den Theilen der Thiere sagt er, daß die meisten zufällig seien. Es giebt aber Einige, die von diesem Himmel und dem ganzen Weltgebäude das ungefähr Ursache nennen. Von ungefähr nämlich, sagen sie, sei entstanden der Wirbel und die Bewegung, die da sonderte und in diese Ordnung zurechtstellte das All.

    Und gar sehr hat man eben hierüber sich zu verwundern, wie sie behaupten, daß Pflanzen zwar und Thiere aus Zufall weder sind, noch werden, sondern daß entweder die Natur, oder der Gedanke, oder etwas ähnliches ihre Ursache sei (denn nicht, was sich trifft, entsteht aus jedem Saamen, sondern aus einem solchen ein Oehlbaum, aus einem solchen aber ein Mensch), der Himmel aber und das [38] Göttlichere unter dem Erscheinenden von ungefähr geworden sei, da es hier keine ähnliche Ursache gebe, wie bei den Thieren und Pflanzen.

    Sollte es jedoch sich so verhalten, so war dieses selbst einer genaueren Beachtung werth, und es ist wohlgethan, eben hierüber einiges zu sprechen. Denn so auffallend die Behauptung an sich schon ist, so wird sie noch auffallender dadurch, daß es ihr doch nicht verborgen bleibt, wie in dem Himmel nichts von ungefähr geschieht, in demjenigen aber, was nicht zufällig sein soll, sich manches zufällig ereignet; da doch natürlicherweise vielmehr das Gegentheil geschehen sollte.

    Es giebt aber Einige, die für Ursache zwar den Zufall halten, aber für etwas dem menschlichen Denken unklares, weil Göttliches und höheren Geistern angehörendes. So daß also zu untersuchen ist, sowohl was beides, als auch ob das nämliche oder verschiedenes das Ungefähr und der Zufall, und endlich, wie es sich in jene Bestimmung der Ursachen einreiht.

    Quelle: Aristoteles: Physik. Leipzig 1829, S. 36-38.
    Permalink: - http://www.zeno.org/nid/20009148744
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Karsten


verwendete Progamme "Hamburger Schule": aktuell, 2017, WSL-10.9 und T-Auswert-57, Demos siehe unter: http://www.astrax.de

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